Hinterlüftetes Steildach

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elansari
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Hinterlüftetes Steildach

Post by elansari »

Im Zusammenhang mit hinterlüfteten Steildachkonstruktionen tauchte folgender Sachverhalt auf:

Hier habe ich oberhalb der neuen Zwischensparrendämmung und unterhalb der Dachschalung eine Luftschicht mit 35 mm mit einer Luftwechselquelle angegeben. Diese Luftwechselquelle ist als konstanter Quelltyp mit einer Luftwechselrate von 20 definiert. Nun ist feststellbar, dass die Holzverschalung mit einer V 13 und einer Biberschwanzeindeckung über einen Zeitraum von fünf Jahren eine unzulässige Auffeuchtung erfährt. Die Mischung der Luftwechselquelle erfolgt mit Außenluft. Eine Auffeuchtung der Dämmung ist nicht erkennbar. Allerdings hat unsere Konstruktion Dachentlüfter, die ich als funktionierend erachte, da die besehene Dachkonstruktionen derzeit über viele Jahrzehnte auch ohne Hinterlüftung oberhalb der Dämmebene funktioniert hat. Hier war einfach die Dämmung handwerklich unsauber gegen die Schalung gedrückt worden. Dieser Sachverhalt war vermutlich dem Umstand geschuldet, dass auch nur eine geringe Nutzung des Dachraums vorhanden war und solche Konstruktionen wahrscheinlich viele unzulässige Infiltrationen von der Außenseite aufweisen. Die Dachpappe ist ja auch als solche nicht verklebt sondern nur lose übereinandergelegt und weist sicher eine Vielzahl von Durchnagelung auf.

Wäre eine Lösung für eine funktionierende Simulation, den Quelltyp als instationär zu definieren und wie sähe diese Quelldatei aus? Das Objekt ist im Rhein-Main-Gebiet.

Was ich an der ganzen Simulation nicht wirklich verstehe ist der Umstand, dass eine solche Konstruktion eine übliche Standardkonstruktion darstellt, die jahrzehntelang auch in der Praxis funktioniert haben.

Freundliche Grüße und besten Dank im voraus,

El Ansari
Daniel
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Re: Hinterlüftetes Steildach

Post by Daniel »

Hallo Herr Ansari,

ich vermute, dass die Schalung unter der V13 im Wesentlichen die Gleichgewichtsfeuchten zur Außenluft – einschließlich einer gewissen Unterkühlung der Eindeckung – bekommt. Sprich: Die Feuchtegehalte würden sich vermutlich sehr ähnlich einstellen, wenn Sie nur eine Schalung mit V13 und Ziegeln hätten und darunter Außenluft. Das könnten Sie einfach einmal prüfen.

Die Nachweisbefreiung bzw. das Funktionieren scheitert hier nicht an einer „nicht korrekten“ Nachberechnung, sondern an Grenzwerten, die für diese Einbausituation schlicht nicht geeignet sind. Auch die WTA-Kriterien sind hierfür noch zu vorsichtig. Ein Nachweis gelingt hier nur mit dem instationären Prognosemodell für das Holzfäulerisiko, das auch den Zeiteinfluss berücksichtigt.

Das liegt daran, dass die kritischen Verhältnisse bei niedrigen Temperaturen auftreten, bei denen sich ein Pilz erst nach vielen Monaten etablieren kann – da ist der Winter schon wieder vorbei. Dieser Postprozessor ist jetzt fast fertig und erscheint demnächst.

Man könnte hier auch argumentieren, dass diese Art der „belüfteten“ Eindeckung in der Norm ohnehin nachweisfrei ist und daher bei der Simulation nicht eigens ausgewertet werden muss.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Daniel Zirkelbach
Dr.-Ing. Daniel Zirkelbach, Deputy Head of Department Hygrothermics, IBP Holzkirchen
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