Bewohner Profil

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elfabi
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Bewohner Profil

Post by elfabi » Mon May 28, 2018 9:38 pm -1100

Hallo,

gibt es in Deutschland Normative Vorgaben oder ein Dokument an dem man sich orientieren kann, um ein realistisches Bewohnerprofil für einen Rentner zu erstellen?

Bisher habe ich mir eher werte ausgedacht, Duschen von 7-8 uhr, im wohnzimmer von 8-22 uhr und 22-7 uhr schlafzimmer...

Außerdem gibt es eine kleine Waschküche, in der auch der Boiler steht. Müssen Wärme/Feuchte von Waschmaschine/Boiler berücksichtigt werden? Muss man interne Quellen von einzelnen Küchengeräten/Kühlschrank/PC berücksichtigen oder gibt es einen Pauschalwert pro m² der anzusetzen ist? Gleiches für die Beleuchtung...

Viele Fragen, tut mir leid, vielleicht gibt es auch eine Literaturempfehlung die mir da weiterhelfen kann? =P

Vielen Dank im Vorraus,

Fabian :D

Häberle
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Re: Bewohner Profil

Post by Häberle » Sun Nov 04, 2018 9:05 pm -1100

Hallo, Fabian

beim Stöbern im Forum bin ich gerade auf Deinen Post gestoßen. Ist zwar schon eine Weile her, aber vielleicht hilft es Dir ja trotzdem weiter, was ich mir zu dem Thema denke:

Ich bin vereidigter Sachverständiger für Gebäudeschäden, und habe dementsprechend andauernd mit der Fragestellung zu tun, ob Schimmelbefall baulich bedingt oder nutzerbedingt ist. Die Juristen hätten da immer ganz gern eine einfache Antwort im Sinne eines Kochrezepts, öffne am Tag soundso oft die Fenster für soundso viel Zeit, und Du wirst keinen Schimmel haben. Wir beide wissen, dass das nicht funktioniert.

Laut statistischem Bundesamt haben wir in Deutschland ca. 40.500.000 Wohnungen. Wie viele davon Haushalte von Ruheständlern sind, kann ich Dir nicht sagen, aber auch hier wird es mit Sicherheit so sein, dass wir ein einfaches Kochrezept für einen 'Norm- Rentner' nicht finden werden. Empirisch ermittelte Daten über das Wohnverhalten der Bundesbürger sind mir in den vergangenen 15 Jahren nicht untergekommen, und selbst wenn es sie gäbe, hätte ich meine Zweifel, ob man sie als repräsentativ betrachten könnte.
Die Gruppe der Ruheständler wird ja immer heterogener, die einen sitzen nur zu Hause rum, die anderen sind ständig in der Welt unterwegs, und dazwischen wird es noch einige Abstufungen geben.

Langer Rede kurzer Sinn: ein typisches Profil wird es nicht geben. Es ist dann an Dir, für Dein Modell Annahmen zu treffen, und diese solide zu begründen. Wenn Du plausibel erläutern kannst, warum Du in der Berechnung welche Vorgaben anwendest, wird man Dir hinterher kaum Vorwürfe machen können (natürlich nur dann, wenn Deine Annahmen auch tatsächlich einigermaßen plausibel sind - sprich mit Kollegen, auch außerhalb Deines Büros, das ist NICHT strafbar !).
Es ist mit Sicherheit auch sinnvoll, Varianten abzubilden, um das Ergebnis unterschiedlichen Verhaltens darstellbar zu machen. Auf diese Weise wird auch für Dich offensichtlich, wo ggf. kritische Bedingungen in Hinblick auf das Innenklima auftreten werden, und das wiederum wird Dir helfen, die Probleme im Vorfeld bereits anzugehen.

Ich hoffe, meine Gedanken zu dem Thema helfen Dir ein wenig weiter und wünsche Dir viel Erfolg bei Deinen Berechnungen.

Thomas
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Re: Bewohner Profil

Post by Thomas » Tue Nov 06, 2018 5:20 am -1100

Häberle wrote:
Sun Nov 04, 2018 9:05 pm -1100
Es ist mit Sicherheit auch sinnvoll, Varianten abzubilden, um das Ergebnis unterschiedlichen Verhaltens darstellbar zu machen.
Ja, auf den Nutzen verschiedener untersuchter Varianten sollte man immer wieder ausdrücklich hinweisen.

Ist man gezwungen, mangels definitiver Vorgaben bestimmte Kennwerte (Materialdaten, Randbedingungen, sonstige Einstellungen ...) selbstständig zu ermitteln oder auszuwählen, ist es sehr nützlich eine Vorstellung davon zu haben, wie groß der Einfluss des betreffenden Kennwerts auf die vorliegende Simulation überhaupt ist. Eine solche Abschätzung kann aber mit WUFI selbst vorgenommen werden.

Beispielsweise kann Flüssigtransport in einem kapillaraktiven Material die hygrothermischen Vorgänge im simulierten Bauteil maßgeblich beeinflussen. Müssen also für ein neues Material die Flüssigtransportkoeffizienten stets bestimmt werden? Und muss das mit genauesten Messverfahren geschehen, oder genügt eine Abschätzung (wie etwa über den w-Wert)? Unter Umständen ja, unter Umständen aber auch nicht.

Befindet sich das kapillaraktive Material im Bauteilaufbau an einer Stelle, die nicht von flüssigem Wasser (aufgenommener Regen, Kondensat) erreicht wird, dann kommt seine Fähigkeit zum Flüssigtransport gar nicht zum Tragen. In einem solchen Fall können eventuell die Flüssigtransportkoeffizienten ganz fortgelassen werden, allenfalls genügt eine einfache Abschätzung.

Eine ähnliche Situation besteht, wenn sich das Material zwar an einer Stelle befindet, an der flüssiges Wasser konstruktionsbedingt grundsätzlich auftreten kann, im vorliegenden Fall aber nicht wirklich auftritt, weil beispielsweise die anliegenden Wetterbedingungen so trocken sind und auch keinerlei Kondensat anfällt.

In einem solchen Fall kann man mit dem betreffenden Aufbau eine Serie von Simulationen durchführen, bei denen die Flüssigtransportkoeffizienten in einem plausiblen Rahmen durchvariiert werden (eine so genannte Sensitivitätsanalyse). Weisen die Ergebnisse nur eine geringe Variationsbreite auf, so dass insbesondere die angestrebte Bewertung - z.B. bestanden / nicht bestanden - dieselbe bleibt, dann kann auf die detaillierte Berücksichtigung des Flüssigtransports verzichtet werden.

Stellt sich andererseits heraus, dass die Ergebnisse und insbesondere auch deren Bewertung sehr empfindlich von den Flüssigtransporteigenschaften des Materials abhängen, dann muss entsprechender Aufwand bei der Ermittlung dieser Eigenschaften betrieben werden. Es liegt dann aber auch der konkrete Nachweis vor, dass dieser Aufwand im vorliegenden Fall unumgänglich ist.

Ähnliche Betrachtungen gelten auch für die anderen Materialkenndaten, für die Übergangskoeffizienten, die klimatischen Randbedingungen usw. Für Materialdatensätze, die für alle denkbaren Situationen verwendbar sein sollen (wie etwa die in WUFIs Materialdatenbank), müssen natürlich möglichst auch alle Kenndaten mit möglichst großer (vertretbarer) Vollständigkeit und Genauigkeit ermittelt werden.

Gruß,
Thomas

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